Berichte, Studien

 

- 1. Bericht über unsere erste Reise in den Senegal vom 30. Januar bis 18. Februar 2010

- 2. Bericht über unsere zweite Reise in den Senegal im Februar 2011 (Susanne Szemerédy, Heidi Schlammerl)

- 3. Bericht über unsere dritte Reise in den Senegal 2012 (Susanne Szemerédy, Heidi Schlammerl)

- 4. Sinthiou Mbal – Guédé Village – ein sozialökonomischer Vergleich (Frédéric Schmalzbauer)

(Detaillierte Bebilderung wird aus technischen Gründen vorerst getrennt publiziert)

- 5. Bericht unserer Senegal-Reise vom 13. bis 27. April 2015

- 6. Bericht über die Einrichtung einer Solarpumpe, Juli 2015

- 7. Im Jauar 2016: Besuch in „unserem“ Dorf

- 8. Reisebericht zur Installation der 2. Solarpumpe

 

 

 

1.

Susanne Szemerédy. Heidi Schlammerl

Bericht von der Reise in den Senegal vom 30. Januar bis 18. Februar 2010 - "Bamtaare" *

mit Demba Ba und drei Bewährungshelferinnen vom Landgericht München I, einer Ärztin und einem Bildungsmitarbeiter von Ver.di

(Die Bebilderung wird getrennt publiziert)

Weil Demba Ba sozusagen im Nebenberuf Bürgermeister des kleinen Dorfes Sinthiou Mbal im Senegal ist, hat sich die Idee einer gemeinsamen Reise dorthin ergeben. Was anfangs als touristische Reise gedacht war, hat sich dann bei einem Seminar von der Gewerkschaft ver.di zu dem Versuch eines solidarischen Projekts entwickelt.

Nach mehreren vorbereitenden Treffen starteten schließlich die oben Genannten und zwei weitere ver.di-Mitglieder – eine Ärztin und ein Kollege aus der Bildungsarbeit- beladen mit wenig persönlichem Gepäck und dafür mit mehreren Koffern voll mit Medikamenten und Schulsachen am 30. Januar vom Flughafen in München in Richtung Dakar, der Hauptstadt des Senegal. Dakar ist eine Millionenstadt, fast jeder zehnte Senegalese lebt dort.

Beim Abflug war München tief verschneit und in Dakar erwarteten uns gegen 22.00 Uhr sommerliche Temperaturen. Demba empfing uns in traditionell senegalesischer Tracht - im Boubou - und es sollte nicht lange dauern, bis wir selbst damit eingekleidet wurden  Zur Akklimatisierung weilten wir erst einmaleinige Tage in einem Hotel am Rande Dakars an der Atlantikküste. Diese Tage nützten wir neben Strandspaziergängen,Schneidereibesuchen (für dieBoubous) und Erkundungen von Dakar und auch für den Besuch bei der USE. EinVerwandter Dembas – Aliou Ba – ist Präsident dieser Organisation, die eine derältesten Nichtregierungsorganisationen im Senegal ist.In der Einrichtung der USE in Dakar wird u.a. eine Augenklinik betrieben, da viele anderen Kliniken privatisiert und für Arme nicht bezahlbar sind. Daneben werden handwerkliche Ausbildungen und Basketballtraining angeboten.

Der Sport ist eine der Möglichkeiten, junge Menschen sozial einzubinden und zu fördern und Sinn jenseits von Erwerbsarbeit zu stiften. Für den einen oder anderen ist sicherlich damit auch die Hoffnung verbunden, dem Land entfliehen und in Europa Geld verdienen zu können. Es war gut, diese Tage in Dakar zur Verfügung zu haben, da es gar nicht so einfach war, zwei funktionierende Pickups mieten zu können und die gerade vorherrschende

Benzinknappheit vereitelte fast unsere Weiterreise. Dank dem unermüdlichen Einsatz von Demba hat das alles dann doch relativ zeitnah geklappt.

Unser nächstes Etappenziel war St. Louis,die ehemalige Kolonialhauptstadt des Landes. Ebenfalls am Atlantik gelegen beeindruckte und irritierte uns diese Stadt gleichermaßen. Sie bietet verfallenen kolonialen europäischen Charme, daneben schallt der blecherne Ruf des Muezzins durch die Gassen und ländliche Ziegen beherrschen neben den Menschen dasurbane Ambiente.

Am nächsten Tag ging es dann rund 500 km weiter in das Landesinnere, in das„senegalesische Outback“ (lt. Reiseführer). Gleichzeitig ist dieser Landstrich auch unter dem Namen „Dreieck der Dürre“ am Rande der Sahelzone bekannt. Die Fahrt nach Sinthiou Mbal war schweißtreibend und nicht ungefährlich für unsere Bandscheiben wegen der ständigen und tiefen Schlaglöcher, die mit sage und schreibe durchschnittlich 100 kmh 2 trotzdem nicht immer überflogen werdenkonnten.

Entlang der Straße lagen immer wieder tote Rinder, an denen Geier sich gütlich taten. Auf der Straße kreuzten lebende Rinder und Schafe sowie Ziegen zwischen Bussen, Pferdekarren und Fußgängern unseren Weg. Dank Demba und seinem Neffen, der den zweiten Pickup lenkte, kamen wir trotz aller Widrigkeiten heil in Sinthiou Mbal an und wurden sogleich durch das gesamte Dorf mit der bayerischen und senegalesischen Fahne, trommelnd, singend und tanzend begrüßt. Ein fulminanter Auftakt zu einem fulminanten Fest, vor dem uns keine Verschnaufpause vergönnt war.

Dreckig und verschwitzt fanden wir uns in einer Menge freudestrahlender, berührungsfreudiger Menschen jeglichen Alters wieder, wobei insbesondere die Kinder immer wieder prüfen mussten, ob die helle Hautfarbe wirklich echt ist.  Das Händeschütteln fand kein Ende und begleitete uns auch während des gesamten Aufenthaltes im Dorf. Demba stellte uns in seinem Anwesen ein Gästehaus zur Verfügung, das für uns extra frisch gestrichen war. Dort waren wir im Vergleich zu den meisten Häusern oder Hütten des Dorfes luxuriös untergebracht. Wir hatten Matratzen, Moskitonetze und ein eigenes Badezimmer mit meist auch fließendem Wasser zum Duschen etc.

Abgesehen von dem Empfang, für den eigens uns zu Ehren Sitzmöbel herangeschafft waren, sahen wir solche dann während unseres Aufenthalts nicht mehr. Für unsere verwöhnten Glieder war das Sitzen, Essen und Liegen auf dem Steinboden nach kurzer Zeit eine Herausforderung, die wir mehr oder weniger gut meisterten. Die „Küche“ befand sich inmitten des Anwesens in Form einer offenen Feuerstelle, 3 auf der in riesigen Töpfen zweimal am Tag gekocht wurde. Das Essen wurde uns jeweils in einer großen Schüssel serviert, um die wir uns auf dem Boden sitzend gruppierten. Man half sich gegenseitig beim Händewaschen und aß dann lediglich mit der rechten Hand. Ein bisschen Übung erforderte dies für uns durchaus! Glücklicherweise assistierten uns regelmäßig ein bis drei einheimische Männer, die verstanden, mit ihren Händen das heiße Fleisch von den Knochen zu trennen und uns Stücke davon zuteilten. Das Fleisch war auf Couscous oder Reis mit ein wenig Gemüse angerichtet und daraus galt es, mundgerechte Bällchen zu formen.

Wiederum uns zu Ehren musste ein Stierlein sein Leben lassen, dem in unserem Beisein mit einem eher stumpfen Messer die Kehle durchsäbelt, der anschließend gehäutet und zerhackt wurde und dann im Kochtopf landete. Auch wenn manches für uns schwer verdaulich war, überwältigte uns die grenzenlose Gastfreundschaft, die uns über all die Tage unvermindert entgegengebracht wurde. Gerne revanchierten wir uns dafür mit Obst, das wir von unseren Ausflügen in die nächst größeren Orte mitbrachten.

Das nächste kleine Zentrum, Ourossogui, ist ca. 15 km und der Hauptort der Region, Matam, ca. 40 km entfernt. Ohne Auto – und im Dorf gibt es keines – sind diese Orte nur mühsam mit Sammelbussen, die Geld kosten, oder Pferdekarren erreichbar. 

Der Tag im Dorf begann mit dem Ruf des Muezzins oder des Hahnes, im Nachhinein sind wir uns da nicht mehr sicher. Es könnte auch sein, dass die beiden uns manchmal gleichzeitig weckten. Zum Frühstück wurde uns Baguette – das Erbe Frankreichs - serviert und süßer Kaffee. Zumeist erfolgte danach eine Erkundungstour ins Dorf und das nahe gelegene Umland. Dabei besuchten wir auch die Schule des Dorfes und ein Collège im Nachbardorf, die nächstgelegene Krankenstation, eine Berufsschule in Matam, ein Gartenprojek eines anderen Dorfes und weitere funktionierende oder nicht funktionierende Entwicklungshilfeprojekte.

Selbstverständlich war der Besuch des Justizpalastes in Matam und ein kurzes Gespräch mit dem Gerichtspräsidenten, dem Staatsanwalt, einem Gerichtsschreiber und einem Rechtsanwalt Pflichtprogramm.Wir möchten hierbei anmerken, dass wir keinen Dienstreiseantrag gestellt haben, um den Haushalt des Landgerichts München I zu schonen.

Ausflüge an den Senegalfluss, der Lebensader der Gegend, und zu der wohl einzigen Erhebung vulkanischen Ursprungs durften nicht fehlen. Auch mit dem Besuch verschiedener Märkte in der Umgebung lernten wir einiges über die Lebensweise der Menschen kennen. Nachdem wir von Dembas Familie mit Stoffen beschenkt wurden, war der Besuch des Schneiders im nächsten größeren Ort des öfteren ebenso obligatorisch wie mehrmalige Besuche der Reifenwerkstatt, nachdem uns fünf Reifen den Dienst versagten. So spätestens gegen 14.00 Uhr waren wir meist zurück in Sinthiou Mbal, um die erste Siesta des Tages zu halten. Gegen 15.00 Uhr wurde uns das Mittagessen serviert und danach mussten wir erneut ruhen. Bei rund 40 Grad im Schatten verstanden wir nur allzu gut, dass sich auch alle anderen – vor allem die Männer –ausruhten. Nach der größten Hitze des Tages machten wir meist noch einen kleineren Ausflug und danach warteten wir auf das Nachtmahl so gegen 22.00 Uhr, wenn nicht wieder mal ein Fest zu unseren Ehren auf der Tagesordnung stand und das Nachtmahl dementsprechend nach hinten verschob. Nach jedem Essen und manchmal auch zwischendurch war Zeit für die ausgedehnte senegalesische Teezeremonie – der erste Aufguss stark wie der Tod, der zweite süß wie die Liebe, der dritte harmonisch wie die Freundschaft.

Da wir die einheimische Sprache erst noch lernen müssen, die Dorfbewohner eher schlecht französisch sprechen und die meisten von uns es auch nicht besser können, stellte die Kommunikation eine besondere Herausforderung dar. Trotz häufigem Nichtverstehen unsererseits war es schön zu erleben, dass wir uns verbunden fühlten auch jenseits des herkömmlichen Verständigungsmittels der gemeinsamen Sprache. Vielleicht war dies auch möglich durch die einfache Lebensweise der Dorfbewohner, die wenig besitzen und auf das Teilen angewiesen sind. Bei der Teezeremonie haben wir das konkret erfahren, da sich viele Menschen zwei Gläser teilen mussten. So müssen viele aufeinander warten und trinken doch aus einemGlas.

Bei der Kommunikation war Demba natürlich in besonderem Maße beansprucht,denn er war der einzige, dem alle drei Sprachen – Pulaar, Französisch und Deutsch – vertraut sind. Manchmal wunderte er sich allerdings, dass er von den Kindern nicht verstanden wurde, wenn er sie auf Deutsch ins Bett schicken wollte.Elf Tage mit einem ganz anderen Leben lagen hinter uns und der Abschied von den Dorfbewohnern stand an. Dabei reicht man sich die linke Hand und schaut zur Sonne als Zeichen des gemeinsamen Wunsches auf ein Wiedersehen - die Sonne verschwindet jeden Tag und kehrt am nächsten Tag doch wieder.Wieder einmal überwältigte uns der direkte Ausdruck von Emotionen und da blieb auch bei mancher von uns kein Auge trocken. 

Wir hatten zum Ende unserer Reise das Glück, mit Aliou Ba und einem Professor der Landwirtschaft unsere Eindrücke kognitiv zu verarbeiten und erste Ideen für ein weiterführendes Projekt zu entwickeln.Zurück in Dakar waren unsere Empfindungen fast zwiespältig. Wir freuten uns einerseits über ein kühles Bier und Essen mit eigenem Teller und Besteck.Gleichzeitig verspürten wir aber auch eine gewisse Trauer über unsere Rückkehr in die ach so vertraute Welt, von der uns klar geworden ist, dass uns bei allem Wohlstand doch so manches fehlt. Freundlichkeit, Würde und ausgelassene Lebensfreude trotz oder gerade wegen des einfachen und teils äußerlich armen Lebens.

Wir haben ebenso viel zu lernen wie unsere neu gefunden Freunde und Freundinnen im Senegal.

Deshalb haben wir inzwischen einen Verein gegründet und hoffen, gemeinsam mit den Menschen in Sinthiou Mbal und Umgebung wachsen und uns entwickeln zu können.

Susanne Szemerédy. Heidi Schlammerl

 

* In der Sprache Pulaar – eine der Spracheni m Senegal - meint Bamtaare einen gemeinsam getragenen und allen zugutekommenden Fortschritt, der auf Eigeninitiative und solidarischer Unterstützung beruht. So wie das Dach einer Hütte nur gemeinsam errichtet werden kann und der Schritt, den man tut, das Verständnis für Gleichgewicht und die Kenntnis des nächsten Schrittes voraussetzt, zielt Bamtaare immer auf die Gemeinschaft, auf das Gemeinwohl und auf das gemeinsame Interesse.

Deshalb haben wir den Verein, den wir nach unserer Reise gegründet haben, Bamtaare – Senegal 2010 genannt.

2.

Susanne Szemerédy Heidi Schlammerl

Bericht über unsere zweite Reise in den Senegal im Februar 2011

(Die Bebilderung wird getrennt publiziert)

 

Nach unserer ersten Reise im Jahr 2010 hatten wir unseren Verein „Bamtaare-Senegal2010 e.V. gegründet mit dem Ziel, die Menschen in dem Dorf Sinthiou Mbal, wo Demba Ba Bürgermeister ist, und wenn möglich in der weiteren Umgebung zu unterstützen.

Eine wichtige Erkenntnis unserer ersten Reise war, dass neben materieller Unterstützung vor allem auch der persönliche Kontakt zu solidarischem Handeln führt und dauerhaft Veränderungsprozesse in Gang setzen kann. Persönlicher Kontakt kann natürlich nur gelingen, wenn eine sprachliche Verständigung möglich ist. Nachdem wir selbst nur rudimentär französisch sprechen und insbesondere die Frauen im Dorf ebenfalls kaum dieser Kolonialsprache mächtig sind, haben wir uns diesmal entschlossen, die Sprache der Menschen in Sinthiou Mbal zu erlernen.

Gesagt, getan - also planten wir, Susanne Szemerédy und Heidi Schlammerl, einen Teil unseres Aufenthalts im Senegal in Form eines Sprachkurses in Pulaar zu verbringen.

Wir hatten die Auskunft von Demba Ba und Aliou Ba (Präsident der ältesten nichtstaatlichen Organisation für Entwicklungshilfe im Senegal), dass ein solcher Sprachkurs problemlos zu „organisieren“ sei. Konkret bedeutete dies, dass wir vor unserer Reise weder wussten, wer unser Lehrer sein sollte, in welcher Sprache der Kurs stattfinden könnte, geschweige denn, wo und wann wir unseren Lehrer kennenlernen würden. Wir flogen einfach über Lissabon nach Dakar mit Allem rechnend.

Überraschend schnell fügte sich dann aber alles und bereits zwei Tage nach unserer Ankunft begannen wir unseren Unterricht bei unserem Professor Fary Ka an der Universität Cheikh Anta Diop in Dakar.

Insgesamt hatten wir bei ihm an fünf Tagen jeweils für einige Stunden Unterricht in Englisch – Pulaar. Den Rest der Tage verbrachten wir mit Büffeln und uns rauchte der Kopf.

Diese afrikanische Sprache mit ihren Wurzeln im Arabischen und dem Altägyptischen ist grammatikalisch völlig anders konstruiert als die uns bekannten europäischen Sprachen. So gibt es z.B. nicht vier Fälle sondern mehr als zwanzig „Klassen“, wobei sich in jeder dieser „Klassen“ die Worte zum Teil gänzlich verändern.

Wir konnten nach unserem Unterricht bei Fary Ka aber zumindest Teile der rituellen Begrüßung bewältigen und uns auch mit einigen wenigen kurzen Sätzen und einzelnen Worten verständigen. Allein damit lösten wir bei unserem anschließenden Besuch in Sinthiou Mbal allergrößte Entzückung und das Bemühen aus, uns mehr beizubringen. Damit hatten wir im Dorf eine Vielzahl von kleinen und großen Lehrern und Lehrerinnen.

Da wir uns in der letzten Woche unseres Aufenthaltes an dem Weltsozialforum in Dakar beteiligen wollten, hatten wir in diesem Jahr für unseren Aufenthalt in Sinthiou Mbal leider nur wenige Tage zur Verfügung. In diesen Tagen konkretisierte sich aber das Gartenprojekt des Dorfes auf einer Versammlung, bei der wir mit dabei waren.

Abgesehen von vereinzelten kleinen Gärten an Häusern und Hütten hat der Anbau von Gemüse bei den Dorfbewohnern/innen – die zu der Ethnie der Peul oder auch Fulbe gehören - bisher keine Tradition. Die Peul bzw. Fulbe stammen von einem alten Nomadenvolk der Hirten ab, für die Gemüseanbau keine Bedeutung hatte. In ihrer Sprache Pulaar gibt es daher auch kein eigenes Wort für Garten, der als „sardiyye“ bezeichnet wird, abgeleitet von dem französischen jardin.

Soweit sie es sich leisten können, ist die Ernährung der Peul traditionell dominiert von Fleischverzehr - ihre Herden bestehen aus Rindern, Schafen und Ziegen. Eine ausgewogenere Ernährung mit mehr Gemüse ist daher ein wichtiger Bestandteil für die Verbesserung der gesundheitlichen Situation der Menschen.

Ohne eigenen Garten muss Gemüse auf dem Markt gekauft werden und das können sich viele Dorfbewohner/innen schlichtweg nicht leisten.

Mit der zunehmenden Versteppung der Region in der Sahelzone verschlechtern sich zudem die Bedingungen für die Viehhaltung und damit die Nahrungsressourcen.

Orientiert an einem Gartenprojekt eines Nachbardorfes kam von unseren Vereinsmitgliedern der Vorschlag für einen gemeinsamen Dorfgarten in Sinthiou Mbal.

Die Bewohner/innen haben sich in der Versammlung dafür entschieden und umgehend in gemeinsamer Arbeit begonnen, auf zwei Arealen jeweils in der Größe eines Fußballplatzes Gemüsegärten anzulegen. Tiefbrunnen zur Bewässerung waren bereits vorhanden, wobei einer erst noch repariert werden musste, was Dank einer Spende von mehreren Zementsäcken durch Demba Ba verwirklicht werden konnte.                                                                                               Wichtig war, dass die Dorfbewohner/innen mit dem Gemüsegarten erst einmal aus eigener Kraft begonnen haben. Grundlage hierfür war die Bildung einer Solidaritätskasse des Dorfes, in die die Bewohner/innen je nach ihren Möglichkeiten eine kleine finanzielle Einlage geleistet haben.

Der Gemüsegarten wurde dann in Parzellen aufgeteilt, für die einzelne Dorfbewohner/innen verantwortlich sind und von deren Ertrag sie profitieren.

Von unserer Seite wird das Gartenprojekt nunmehr finanziell unterstützt zur Beschaffung von Saatgut, Arbeitsmaterial und Düngemitteln.

Vor Ort wird das Projekt begleitet von einer einheimischen Mitarbeiterin unseres Kooperationspartners in der Region, Bamtaaremen e.V. in Ourossogui. Sie erhält von uns für die Begleitung des Projekts und die Beratung der Dorfbewohner/innen eine Aufwandsentschädigung und berichtet uns dafür in regelmäßigen Abständen über den Stand des Projekts und die Verwendung der von uns zur Verfügung gestellten Mittel.

Die letzte Etappe unserer diesjährigen Reise führte uns wieder zurück nach Dakar.

Diese Rückfahrt hatte einmal mehr Abenteuercharakter. Neben den unvermeidlichen Schlaglöchern und einem Sandsturm überraschte uns unser Fahrer mit einem Abstecher zu seiner angeblichen Schwester, der dann leider mehrere Stunden in Anspruch nahm. Auch die örtliche Verpflegung bei Fahrtpausen in Form von zerkleinertem, äußerst zähem Ziegenfleisch mit Knochen, in wenig ansprechender Umgebung - im Grund direkt an der Straße in einem offenen Bretterverschlag – forderte unsere Anpassungsfähigkeit. Wenig appetitanregend war auch unsere Beobachtung, dass sich vor der Zubereitung bereits die Fliegen an dem rohen Fleisch labten.

Irgendwann nachts kamen wir dann aber dennoch heil in Dakar an und konnten zwei weitere Mitglieder unseres Vereins begrüßen, die zum Weltsozialforum angereist waren.

Die restlichen Tage verbrachten wir bei dem diesjährigen Weltsozialforum, bei dem sich Menschen aus allen Weltteilen treffen und sich unter dem Motto „Eine andere Welt ist möglich“ für mehr Gerechtigkeit und Solidarität engagieren.

Für uns war es sehr beeindruckend, zum Abschluss unserer Reise unser kleines Hilfsprojekt eingebettet in eine weltweite Solidaritätsbewegung zu erleben.

Mit Genehmigung unseres Präsidenten (Landgerich I München) freuen wir uns im Rahmen der diesjährigen Weihnachtsfeier des Landgerichts im Justizpalast einige Bilder über die Menschen in Sinthiou Mbal und ihre Lebensform präsentieren zu können.

 

3.

Susanne Szemerédy Heidi Schlammerl

Bericht über unsere dritte Reise in den Senegal im Februar 2012

(Bebilderung wird getrennt ausgewiesen)

Zur Erinnerung - im Jahr 2010 hatten wir nach der ersten Reise in den Senegal unseren Verein „Bamtaare-Senegal2010 e.V. gegründet mit dem Ziel, die Menschen in dem Dorf Sinthiou Mbal, wo Demba Ba Bürgermeister ist, und wenn möglich in der weiteren Umgebung zu unterstützen.

2011 versuchten wir vor Ort ansatzweise die Sprache der Peul bzw. Fulbe zu erlernen. Wir besuchten zum zweiten Mal unser Dorf Sinthiou Mbal und konnten damals miterleben, wie die Bewohner sich für das Gemüsegartenprojekt entschieden und erste Schritte zur Umsetzung in die Wege geleitet haben. Konkret bedeutete dies erst einmal die Umzäunung zweier ca. fußballfeldgroßer Areale. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir uns der Befürchtung nicht ganz erwehren, dass das Vorhaben etwas überdimensioniert angelegt sein und es bei dem Zaun bleiben könnte.

Umso größer war unsere Freude, als wir in diesem Jahr das Dorf besuchten und zwei Gemüsegärten bestaunen konnten, die bereits zum zweiten Mal Frucht trugen. Wir wussten zwar bereits über die Berichte unserer Projektbegleiterin vor Ort und über den Besuch eines unserer Vereinsmitglieder, dass die Gärten gedeihen, aber es selbst zu sehen, war wirklich überwältigend.

Die Arbeit in den Gärten wird von den Frauen des Dorfes geleistet und jede einzelne der anwesenden Frauen zeigte uns stolz ihre eigene jeweils 6 m² große Parzelle.

Die größte Herausforderung stellt für die Frauen derzeit die Bewässerung des Gartens dar. Das Wasser muss aus einem außerhalb des Areals gelegenen Tiefbrunnen aus ca. 20 m mit Plastikkanistern über eine einfache Seilwinde hochgezogen werden. Das ist körperliche Schwerstarbeit, die auch ältere Frauen und Schwangere verrichten. Immer wieder wurden uns die Schwielen an den Händen gezeigt und wir konnten uns auch selbst von dieser Arbeit überzeugen.

Das Gemüse wird zweimal täglich gegossen, wobei das Wasser aus großen Schüsseln auf einmal auf die Beete geschüttet wird. Bei dieser „Methode“ wird zwangsläufig viel Wasser verschwendet, das vorher mühsam aus den Tiefbrunnen gefördert werden muss.

Die nächsten Schritte zur Weiterentwicklung der Gärten sind daher, mit den Bewohnern für sie machbare Techniken zu entwickeln, die zum einen den Wasserverbrauch verringern und zum anderen weniger kräftezehrend sind.

Auch die Zäune um die beiden Gemüsegärten müssen über kurz oder lang erneuert werden, da die derzeit verwendeten Holzpfähle in der Regenzeit unterspült werden und faulen. Die Zäune sind unverzichtbar, da sich ansonsten die frei herumlaufenden Rinder und Ziegen an dem Gemüse gütlich täten.

Ein Highlight        unseres diesjährigen Aufenthalts in Sinthiou Mbal war auch die Ansprache von Susanne Szemerédy bei der Versammlung der Frauen in ihrer Sprache Pulaar. Alle waren hoch beeindruckt und es wurde deutlich, dass wir alle voneinander lernen und wir uns miteinander im Sinne von „Bamtaare“ weiterentwickeln.

Spürbar war für uns auch, dass die Frauen stolz auf ihre Leistung und ihr Können sind und darüber ein neues Selbstbewusstsein entwickelt haben.

Sie äußerten selbst, dass sich ihre Lebensqualität trotz der harten Arbeit erhöht hat. Die Ernährung ist durch mehr Gemüse ausgewogener geworden und erste bescheidene Gewinne werden bereits durch den Verkauf sowohl im dorfeigenen Markt als auch im nächst größeren Ort erzielt.

Faszinierend ist, mit welch geringem finanziellem Aufwand „unsere“ Gemüsegärten entstanden sind und weiter bewirtschaftet werden. Grundlage ist nach wie vor die Solidaritätskasse des Dorfes, in die die Bewohner/innen je nach ihren Möglichkeiten kleine finanzielle Einlagen leisten. Wir unterstützen das Projekt zum einen mit Zuschüssen für Saatgut, Arbeitsmaterial und Düngemitteln und haben dafür im Jahr 2011 rund 300,-- Euro zur Verfügung gestellt. Zum anderen erhält unsere Projektbegleiterin vor Ort eine Aufwandsentschädigung von monatlich 125,-- Euro für die Unterstützung der Frauen zur konkreten Durchführung des Projekts.

Mit dieser vergleichsweise geringen finanziellen Unterstützung und dem damit verbundenen Erfolg ist für uns inzwischen mehr als fragwürdig, warum bei Millionen von Entwicklungshilfegeldern die Trockengebiete in Afrika und anderswo immer noch nicht urbar gemacht werden konnten.

Da wir unsere Reisen in den Senegal nicht über unseren Verein sondern privat finanzieren, haben wir uns in diesem Jahr auch ein paar touristische Einblicke in das Land gegönnt.

Sowohl hierbei als auch für die Fahrt nach Sinthiou Mbal und der Vorbereitung unserer dortigen Rede in Pulaar hatten wir heuer tatkräftige Unterstützung von Moussa. Moussa hat in München versucht, uns ein bisschen weiter in die Landessprache Pulaar einzuführen. Er arbeitet übrigens in München in einem bayerischen Trachtengeschäft, auch hier findet also seit Jahren bayerisch-senegalesische Zusammenarbeit ganz selbstverständlich statt.

Zu der Fahrt nach Sinthiou Mbal und zurück an die Atlantikküste ist zu erwähnen, dass sie diesmal noch abenteuerlicher war als sonst. Auf der Hinfahrt legten wir die Strecke von ca. 700 km in 14 Stunden bei einem heftigen Sandsturm und zum Teil kaum noch befahrbarer Straße zurück. Wir waren mit einem normalen Pkw unterwegs und unser Fahrer entschloss sich daher auf dem Rückweg für eine andere Route, die uns jedoch erst einmal mitten in die Wüste führte, wo es keine Wegweiser mehr gab. Zum Glück trafen wir auf einen Wüstenbewohner, der uns die Richtung wies und selbst froh war, mit uns schneller in sein Dorf zu kommen.

Einer unserer Ausflüge führte uns in ein von Deutschen errichtetes Reservat, in dem Tiere angesiedelt wurden, die früher in Freiheit dort lebten.                       

Besonders beeindruckt waren wir von der sog. Muschelinsel. Das Fundament der Insel besteht ausschließlich aus Muscheln und auf der Insel leben Christen und Muslime in geschwisterlicher Eintracht zusammen. Sehr bemerkenswert ist, dass auf der Friedhofsinsel Angehörige beider Religionen auch in direkter Nachbarschaft bestattet sind.

 Alljährlicher „Pflichtbesuch“ ist für uns inzwischen auch der Besuch der „Ile de Gorée“, der ehemaligen Sklaveninsel. Von dort wurden früher von verschiedenen Kolonialmächten die Menschen aus ganz Westafrika als Sklaven nach Amerika verschifft. Das Foto zeigt die sog. „Tür ohne Wiederkehr“.

Weiteres zu unserem Verein und realisierten und geplanten Projekten sind auf unserer Homepage zu finden: www.bamtaare-senegal2010.de

Susanne Szemerédy, Heidi Schlammerl

 

4.

Frédéric Schmalzbauer

Sinthiou Mbal – Guédé Village – ein sozialökonomischer Verleich

Seit knapp drei Jahren beschäftigt sich eine kleine NGO aus Deutschland, „Bamtaare-Senegal 2010“ mit Sinthiou Mbal, einem Dorf der Landkommune Nabadji Civol in der Region Matam. Die Initiative ging vom Dorfvorsteher aus, der seit Jahrzehnten nach Europa emigriert und in München fest angestellt ist. Seinen Initiativen und der Initiative anderer Migranten verdankt der Ort mit ca 1300 Einwohnern eine Grundschule, den Anschluss an die Stromversorgung, eine Trinkwasserleitung aus der Tiefbohrung von Nabadji Civol und eine Reihe von Massivbauten mit Ummauerungen, die, anders als die traditionellen Hütten, starken Regenfällen Stand halten und gleichzeitig wie im gesamten Migrationsgebiet Ausweis eines relativen Wohlstandes sind. Im Folgenden soll in einem ersten Versuch eine vergleichende Analyse mit dem Ort Guédé Village in der Region Podor Aufschluss über die sozialökonomischen Folgen der Migration geben. Daraus kann eine Debatte auf wissenschaftlicher Grundlage aufbauen, die neue Entwicklungslinien ermöglicht, Unterstützungsleistungen zielgerichtet ermöglicht  und der Migration entgegenwirkt.

  1. Geografische und ethnische Ausgangslage. Beide Dörfer sind Siedlungen des Volkes der Peulh im nördlichen Senegal nahe dem Flussbett des Flusses Senegal oder seiner Arme. Anders als Guédé Village liegt Sinthium Mbal direkt an der Nationalstraße 2, die den Raum Dakar – Saint Louis –Richard Toll mit dem Raum Matam-Bakel verbindet und trotz ihres schlechten Zustandes die einzige befestigte Achse bildet. Dabei spielt die Entfernung zu den größeren und großen Zentren (Richard Toll, Saint Louis, Thiès, Dakar) aufgrund des sich nach Norden ständig verschlechternden Straßenzustandes eine wichtige Rolle für Transporte aller Art:Entfernung Sinthiou-Mbal – Saint Louis 550 km, Guédé Village – Saint Louis 350 km. Guédé Village liegt nicht direkt an der Nationalstraße 2, sondern am „anderen Ufer“ eines größeren Nebenarmes des Senegal mit starker Wasserführung, während sich bei Sinthiou Mbal in einem längeren Prozess, der die Migration in größerem Maßstab begleitet, das Überschwemmungsgebiet des nächstgelegenen Armes vom Dorf immer weiter zurückgezogen hat. Der nächste Flussarm liegt 4 Kilometer entfernt in nordwestlicher Richtung und ist nur über mehrere Sandpisten in ca einer Wegstunde zu Fuß erreichbar. Dagegen bebötigt man nach Guédé Village eine Fähre oder macht den den Umweg über einer Straße nach Podor. Beiden Dörfern wie dem gesamten Raum ab Saint Louis ist die relative Nähe zu Mauretanien (Nordwesten) und damit die Nähe zur Sahara eigen. Während allerdings in Guédé Village die Entfernung zum Grenzufer näher ist (Austausch rund um Podor), ist aus Sinthiou Mbal Mauretanien erst im ca 40 km flussaufwärts gelegenen Matam erreichbar. Beide Dörfer wie alle Peulh-Siedlungen sind religiös dem Islam verpflichtet und daher am Ramadan, an der strengen Fastenzeit, beteiligt. Fallen Ramadan und Erntezeit zusammen, ergibt sich für die Bevölkerung eine besondere Belastung (z.B. 2010/2011). Allerdings ist laut Verfassung der Senegal ein laizistischer Staat (Trennung von Staat und Religionsgemeinschaften), wodurch die Verwaltung und die Schule relativ religionsunabhängig agieren können. Trotzdem spielt die dominierende Religionsgemeinschaft bei vielen Entscheidungen eine wichtige Rolle – jedoch nicht in erster Linie durch die offiziellen Gebetsstätten und ihren Vorstehern (in Sinthiou Mbal zwei Moscheen).
  2. Wasser, Klima, Landschaft. Das Anbaugebiet des „Walo“, des Gebietes zwischen den einzelnen Flussarmen, beginnt im Falle von Guédé Village an der Dorfgrenze, im Falle von Sinthium Mbal auf der gegenüberliegenden Seite des 4 km entfernten Flusses. Während also in Guédé Village, unabhängig von technischen Eingriffen in jüngster Vergangenheit, ein übers ganze Jahr nutzbares Gebiet „vor der Haustüre“ liegt, ist eine vergleichbare Situation in Sinthiou Mbal mehrere Kilometer entfernt am östlichsten Flussarm gegeben, der während der Trockenzeit nur wenig Wasser führt. Aus Erzählungen wird berichtet, noch in der aktuellen Generation für afrikanische Regionen typische Wildtiere in Dorf nähe vorgefunden zu haben, während nördlich gelegene Dammbauten neben der Versteppung oder sie verursachend die Landschaft bezüglich Flora und Fauna auf Dauer verarmten. Gebiete, die nicht direkt an Flussarmen liegen, sind nur in der bzw kurz nach der Regenzeit bebaubar. Bleibt der Regen wie z.B. 2011 weitgehend aus, fehlt diese Nahrungsquelle insbesondere bei solchen Familien, die hauptsächlich darauf angewiesen sind. Regenzeit ist von Ende Juni bis September und verwandelt, wenn ausreichend Regen fällt, die ganze Steppenlandschaft in eine Art grünen Paradieses mit Tümpeln und, wo immer angebaut wird, in eine Kornkammer des für Mensch und Tier wichtigen Mil. In der heißen Trockenzeit (bis 40 Grad) versteppt die Landschaft. Die nahe gelegene Sahara trägt dazu ihren Teil bei. Die Herden (vor allemBüffel) müssen dann in Flussnähe emigrieren. Im Falle von Guédé Village liegt wassernahes Gebiet unmittelbar um das Dorf und die Herden kehren nachts ins Dorf zurück, im Fall von Sinthiou Mbal ist das geografisch nicht möglich. Die Herden bleiben dann im „Walo“. Eine bedeutende Rolle für die Hygiene und - im Falle von Sinthiou Mbal - den ortsnahen Gemüseanbau spielen die Brunnen, soll nicht das zu bezahlende Trinkwasser dafür verwendet werden. Der Wasserspiegel befindet sich in Guédé Village in ca 5 Metern Tiefe, im Falle von Sinthio Mbal in ca 18 Metern Tiefe. Je weiter die Dörfer vom Walo entfernt sind – im Falle von Sinthiou Mbal die Dörfer Siriworo und Taiba – desto tiefer müssen die Brunnen gegraben und erhalten werden. So musste z.B. eine Spende des Dorfvorstehers zur Auszementierung der Brunnen verwendet werden, nachdem sich das Dorf Sinthou Mbal zum Gemüseanbau nahe den Brunnen entschlossen hatte. Im ca zweieinhalb Kilometer entfernten Siriworo unterstützte eine französische Organisation die „Wiederbelebung“ und den Erhalt der Brunnen. In einem mühsamen Verfahren wird über einfache eingekerbte Rollen, Seile und Plastikbehälter von den Frauen das kostenlose Brunnenwasser zur Hygiene und zum Gießen an die Oberfläche gezogen. Das damit verbundene idyllische Bild zeigt die Arbeitsteilung und die patriarchalische Dorfstruktur. Probleme bei tieferen Brunnen  - meist sind zwei Frauen in Sinthiou Mbal beim Heraufziehen der Eimer beschäftigt – bestehen vor allem bei Schwangeren, bei Kindern und älteren Menschen (Schwangerschaftsabbruch, Überlastung).
  3. Bildung. Beide Dörfer verfügen über eine Grundschule. Vermutlich besuchen nicht alle Kinder die Grundschule – offiziell ist im Senegal Schulpflicht – was auf die fehlenden Eigenmittel (Stifte, Hefte…), die Mindestbekleidung oder auch die Notwendigkeit im Haushalt (Hirten) zurückgeführt werden kann. Während in nächster Nähe von Guédé Village eine Mittelschule gebaut wurde, fehlt eine solche Einrichtung in Sinthium Mbal, wird aber von der Bevölkerung nachhaltig gefordert. Der Schulweg für Mittelschüler – das Collège ist die notwendige Ergänzung zur Grundschule bis zum 9. Schuljahr – ist in Sinthiou Mbal rund 4 km weit und vor allem in den heißen Schulmonaten eine erhebliche Belastung. Es wäre interessant zu wissen, welche Auswirkung diese Entfernung auf die Bereitschaft hat, im Collège die Schulbildung fortzusetzen. Im Allgemeinen sprechen die Schulbehörden – im Falle von Sinthiou Mbal die „Inspection Academique de Matam“ - von einer starken Verengung zwischen Grundschülern, Mittelschülern, Gymnasiasten und Universitätsabsolventen. Hier spielen sowohl Armut/Reichtum als auch das Geschlecht eine entscheidende Rolle. (So wurde vor allem von Frühheiraten bei den Peulh berichtet, die schon um das 14. Lebensjahr die Schulfreiheit der Mädchen beeinträchtigt und obendrein von wohlhabenden Emigranten gepflegt wird.) Am Beispiel von Guédé Village kann gezeigt werden, wie mehrere Mädchen (in der Familie sind Lehrer) ins Gymnasium nach Saint Louis geschickt werden. Dies setzt die bei den Peulh übliche große Familiensolidarität (Unterkunft, Beaufsichtigung) voraus. Gleiches gilt für junge Männer, die in Dakar oder Thiès – also in Universitätsnähe – bei Verwandten ins Gymnasium geschickt werden. Existieren diese Bande nicht oder ist die Aufklärung in der Familie nicht entsprechend entwickelt, ist die Kombination Grundschule – Mittelschule das Ende der Bildungspyramide. Berufsausbildung existiert entweder in in den Mittelzentren (Matam und Podor, von Luxemburg unterstützt) oder in einer einfachen Lehre, hauptsächlich für Jungen (Metall- und Holzverarbeitung, Dienstleistungsgehilfen im Unterzentrum Ourossogui). Bezeichnender Weise entstand die Grundschule in Sinthiou Mbal durch Eigeninitiative des Dorfes bzw der Migranten. Lehrer werden, wenn die Schule von den Behörden genehmigt ist, vom Staat gestellt und, wenn auch schlecht und unregelmäßig, bezahlt. Neben den staatlichen Schulen gibt es Koranschulen für einen Teil der Kinder und die Alphabetisierungskampagne für Frauen, die entweder nie die Schule besuchen konnten oder Lesen, Schreiben und Rechnen im Lauf der Jahre verlernt haben. Letzteres findet, unterstützt von der einheimischen NGO USE (Union für Solidarität und Hilfe auf Gegenseitigkeit) in der Volkssprache Pulaar statt, in der auch die tägliche Unterhaltung geführt wird. Allerdings ist die Landes- und Amtssprache sowie die Schulsprache Französisch. In der Schule wir überdies Arabisch und Englisch – je nach Initiative der Lehrer – gelehrt. Vor Ort existieren Elternvereinigungen, die zur Aufgabe haben, die jeweilige Schule zu unterstützen (Parents d’éleves).
  4. Armut/Reichtum. Eng verbunden mit der Schulbildung ist die Frage Armut/Reichtum. Zu Recht fordert die USE eine Armutsstudie, um gezielt fördern zu können. Auf dem ersten Blick ist ein wesentlicher Unterschied zwischen der Region Matam (Sinthiou Mbal) und der Region Podor (Guédé Village) erkennbar. Je weiter man auf der Nationalstraße 2 Richtung Matam fährt, desto „vermauerter“ werden die Siedlungen. Je umfangreicher die Mauern, je „moderner“ die Betonbauten, je aufwendiger die Eingangs- und Fenstergitter, je „reicher“ scheinen die Familien. Im Wesentlichen geht es dabei um den Effekt „Western Union“, also den Geldfluss von außen. Durch die beschriebenen Fakten bedingt ist vor allem die Region Matam eine Migrantenregion in großem Maßstab, das heißt die Migration geht weit über die Grenzen des Senegal hinaus bis nach Europa, Amerika und Australien. Der äußere Anschein wird durch die Studie „Migration au Sénégal – Profil National 2009“, gefördert durch die EU und Uno-Migrationsstellen, bestätigt. Dabei ist zunächst festzuhalten, dass auch hier der erste Blick trügen kann. So ist es möglich, dass Familien mit wenig Betonumfang große Büffelherden besitzen und damit eine wichtige Rolle im Dorf spielen, obwohl niemand emigriert ist. In Sinthiou Mbal lassen sich anhand von simplen Parametern -.Ummauerung, Wasseranschluss, Stromanschluss/Verbrauch, Feuer am Abend (Kochen), Medikamente – Hautausschläge der Kinder usw. eine „Reichtumsbilanz“ erstellen. Es gibt drei Ringe: Im innersten Ring leben Migranten-Familien (Konzessionen), daran anschließend Familien, die entweder in der Vergangenheit an der großen Migration teilhatten und z.B. der Mann zwischenzeitlich verstorben ist (Lebenserwartung um 54 Jahre) oder die Migration sich auf den Senegal bzw. auf Afrika beschränkt und/oder örtliche Handwerker (Schneider, Kioskbesitzer) sind. Im „dritten Ring“ und in den Gehöften in Flussnähe leben Familien meist von Herden (Büffel, Ziegen…). Einige Familien haben traditionell Zugang zu den Ufern des entfernten Senegalarmes und bauen dort vor allem Mais an. Da jedoch Familien im „inneren Ring“ und daran anschließend von Geldzuwendungen von außen angewiesen sind, kann man nicht automatisch von den Mauern auf die Lebensmittel schließen. Arm ist, wer keinem der genannten Einkommensquellen zugehört und beispielsweise Brennholz transportieren muss, um zu überleben. Festzuhalten ist, dass in Sinthiou Mbal nur von der Landwirtschaft lebt, wer Herden besitzt. Völlig anders ist dies in Guédé Village. Seit Jahrzehnten wird dort wie in der Region Podor übers ganze Jahr Landwirtschaft betrieben. Dies ermöglicht die Flussnähe und das Pumpensystem, mit dem Wasser auf die von vier Genossenschaften betriebenen Felder geleitet wird (Reis, Zwiebeln, Tomaten…). Jeder Familienverband ist einer der Genossenschaften angeschlossen, erzeugt sein eigenes Saatgut und bringt es auf die kollektiv vorbearbeiteten (Traktor/Eggen) Felder aus. Bei der Ernte, aber auch schon in den Frühbeeten sind viele Männer beteiligt. Damit wird ein Überschuss erzeugt, der es möglich macht, nicht selbst produzierte Waren einzutauschen bzw. durch Vermarktung Geld zu erzielen. Wenn auch der historische Mythos (Ursprungsdorf des Peulh-Königs Lam Toro) in der Erhaltung der ursprünglichen Dorfstruktur eine Rolle spielt, ist doch die entscheidende Erklärung für die geringe, meist senegalinterne Migration die Sozialökonomie der Bevölkerung. Der einzige Nachteil besteht in der Lage auf der „anderen“ Uferseite und damit in der Notwendigkeit, für Warentransporte entweder die seilgezogene Fähre (der Motor hängt nur als Dekoration daran) und die Piroggen zu verwenden, um zur Nationalstraße 2 zu gelangen oder den Umweg über das Mittelzentrum Podor zu machen.
  5. Unterstützung von außen. Abgesehen von der Migration besteht in der Unterstützung „von außen“ ein wichtiger Hebel zur örtlichen Entwicklung. Das Volk der Peulh ist ursprünglich ein wanderndes Hirtenvolk und erst seit einigen Generationen sesshaft. Die Siedlungsnähe zu den Armen des Senegalflusses erklärt sich aus dem ursprünglich reichen Weideland und den Überschwemmungsgebieten mit entsprechender Flora und Fauna. Dammbauten und Klimawandel habe jedoch die Situation nachhaltig verschlechtert. Daraus resultiert einerseits die Migration, andererseits die „Hilfsbedürftigkeit“. Politische Entscheidungen haben über lange Zeit den Lebensraum der Peulh benachteiligt und benachteiligen ihn bis heute (Infrastruktur, konzentriert auf die sprunghaft gewachsenen Bevölkerungszentren rund um Dakar, Entfernung zu diesen Zentren…). Klimatisch und durch die Nähe zu den Wüstenzonen ist der Lebensraum der Peulh – in diesem Fall der „Fouta“ – erheblich schlechter gestellt als z.B. die regenreichen Gebiete in Richtung Casamance. Zu deren „Befriedung“ fließen dort die meisten Hilfsgelder hin. Neben den staatlichen Entwicklungsinstitutionen spielen daher die NGO’s eine wichtige Rolle. Über das ganze Gebiet hinweg wirkt als einheimische nichtstaatliche Organisation die USE (Union pour la Solidarité et Entreaide), präsidiert durch den einflussreichen Präsidenten Thierno Aliou Ba. Mit einem enormen Aufwand verbreitet sich seit Jahren die US-amerikanische staatliche Hilfsorganisation USAide, trainiert junge Entwicklungshelfer/innen und zeigt Flagge angesichts anderer Einflussbereiche, etwa der Chinesen oder der immer noch allgegenwärtigen Franzosen. Im vorliegenden Fall spielte für das Dorf Guédé Village eine italienische Gruppierung eine entscheidende Rolle, die bei der Beschaffung von Pumpen und dem Anlegen der Felder Hilfestellung leistete. Die günstigen Bedingungen und die in der Folge geringe Migration ermöglicht heute eine weitgehend selbstständige Produktion und Vermarktung in vier Genossenschaften. Ähnliche Initiativen verliefen in Sinthium Mbal im wahrsten Wortsinn im Sande, was durch eine irgendwann gespendete kaputte Großpumpe und ein seit Jahren nicht verwendeter Maschendrahtzahn illustrierte (Spende der USE zur Umzäunung eines Gemüsegartens). Dagegen existiert im nahen, östlich gelegenen Siriworo ein beachtlicher, von den Frauen betriebener Gemüsegarten. Dort und an anderen Orten ist eine französische Organisation (Landwirte ohne Grenzen) aktiv. Jüngst wurde jeder projektbeteiligten Familie ein Schaf gespendet. Die Organisation bezahlt im Unterzentrum Ourossogui örtliche Spezialisten zur Entwicklung ihrer Projekte. Im Vergleich mit Guédé Village ist Sinthiou Mbal durch das Fehlen einer medizinischen Erstversorgung benachteiligt. In Guédé Village fand sich für eine entsprechende Einrichtung eine französische Region (Nord-Pas de Calais), die, wenn auch unzureichend, eine beachtliche Geburtsstation und Ersthilfe errichtete.
  6. Die Deutschen. Es könnte nicht exotischer sein. Weder gibt es einen historischen (Frankreich) noch einen strategischen (USA) Hintergrund. Einzig der Umstand, dass der Dorfvorsteher, aus ehemaligen Kolonialverpflichtungen mit französischer Staatsbürgerschaft ausgestattet, irgendwann bei der bayrischen Justizverwaltung angestellt wurde, schuf eine neugierige Verbindung. Ursprünglich wurde durch seine Initiative im Raum München Geld beschafft, um etwa durch eine Transformator sein Dorf mit Strom zu versorgen. Erst die Reise von Arbeitskolleginnen und weiteren Personen (2010) brachte eine neu, interessante Variante in die informellen bayrisch- senegalesischen Beziehungen. Ausgestattet mit Medikamenten und Schulmaterial kam die Gruppe 2010 nach beschwerlicher Reise ins Dorf – ein erster Schritt zu „Bamtaare“, der solidarischen Hilfe auf Gegenseitigkeit. Aus diesen Tastversuchen begann, unterstützt von Empfehlungen der USE und ihres regionalen Ablegers in Ourossogui ein Austausch, der auf der einen Seite zu zwei Gemüsegärten, auf der anderen Seite zu ersten Erkenntnissen in der Volkssprache Pulaar führte. Zu beachten ist die Notwendigkeit, jede „offizielle“ und administrative Angelegenheit auf Französisch abzuwickeln. Die USE schlug eine Reihe von möglichen Projekten und deren Finanzierung vor, darunter die Alphabetisierungskampagne. Dem Dorf war von Beginn an darüber hinaus eine Mittelschule und, was sich erst zu entwickeln begann, ein Gemüsegartenprojekt wichtig. Die Philosophie der USE (Gegenseitigkeit, Solidarität) richtet sich gegen eine „Spendermentalität“. Nur wenn alle Beteiligten aus freien Stücken etwas dazu beitragen, ist eine Aktion erfolgreich und nachhaltig. Zwischenzeitlich sind zwei große Gemüsegärten zum zweiten Mal abgeerntet und von der Communité rurale (Nabadji Civol) ein Terrain zur Errichtung einer Mittelschule für zwei Jahre freigegeben. Seitens „der Deutschen“ wurde ein gemeinnütziger Verein (Bamtaare-Senegal 2010) gegründet, der zur Projektbegleitung auf die Unterstützung einer Fachkraft im nahen Ourossogui zurückgreifen kann. Auch die deutsche Botschaft in Dakar, regelmäßig von den Aktivitäten in Kenntnis gesetzt, hat mit ihren Ratschlägen und der noch ungenutzten Möglichkeit von Mikrosubventionen ein positives Zeichen gesetzt.
  7. Die Gemüsegärten. Angeregt durch das französische Projekt in Siriworo, durch den gespendeten, aber nicht verwendeten Maschendrahtzaun, einem früheren Versuch und der Nachfrage der „Deutschen“ begannen die Frauen des Dorfes die Dinge in die eigne Hand zu nehmen. So zogen sie aus Eigenmittel Pflanzen heran, bewässerten die beiden fußballfeldgroßen Gärten, teilten den Familien Parzellen zu, besprachen es mit der Fachfrau aus Ourossogui, die ihrerseits einen staatlichen Spezialisten hinzuzog und konnten ein Ergebnis vorweisen, das aus guten Gründen unterstützenswert ist (technische Geräte, neues Saatgut..). Die „Zeugenaussagen“ einiger beteiligter Frauen verweisen auf die größere Autonomie, die ihnen durch das Projekt zugewachsen ist (vergleiche Übersetzungen). Natürlich kann das Ganze nicht mit den Gärten im 200 km entfernten Guédé Village mithalten – es gibt eben keinen Fluss, aus dem man ganz einfach Wasser abpumpen kann. Darin besteht die entscheidende Herausforderung für Sinthium Mbal, wenigstens was diese Stufe der Landwirtschaft betrifft. Kann das Bewässerungssystem verbessert und die Arbeit erleichtert werden? Ist es möglicherweise nur ein erster Schritt hin zu einer Gemüse- und Früchtekultur, die, Wasser und technische Bedingungen vorausgesetzt, ein erstes Gegengewicht zur Migration bilden können?
  8. An der Nationalstraße. Anders als Guédé Village hat Sinthium Mbal den Vorteil, direkt an der einzigen Achse in die großen Zentren zu liegen. Außerdem ist Sinthium Mbal ein Kreuzungspunkt in Richtung Osten. Wer zum Beispiel die Verkehrsmittel in die eine oder andere Richtung (Saint Louis oder Matam/Bakel) benützen will, hat hier seine „Haltestelle“. Das dahinter liegende Anwesen hat bereits Ladengeschäfte vorgesehen. Was könnte dort verkauft, was hergestellt werden? Erste Ansätze: Ein Metallbetrieb und eine Schreinerei. Welche Impulse könnten von einer Mittelschule – schon zu ihrer Errichtung – ausgehen? (Sie soll auf der gegenüberliegenden Seite der Nationalstraße errichtet werden). Entsteht hier eine Entwicklungslinie, die einerseits Jugendliche nicht zur Migration veranlasst, andererseits die Mittel der Migranten, öffentliche und andere Mittel auf Projekte konzentriert, die allen dienlich sind?

Quellen:

« Migration au Sénégl, Profil national 2009 » Organisation internationale pour les migrations, Genève, Suisse

Ndaye Fatou Sidy : Befragung der projektbeteiligten Frauen in Sinthioum Mbal, 2011

F. Schmalzbauer: Befragung in Guédé Village, September 2011, Gespräche mit der Schulverwaltung in Ourossogui, September 2011, Gespräche mit der Deutschen Botschaft im Senegal 2010 – 2011, Konferenzen mit der Frauenvereinigung für die Gärten in Sinthiou Mbal 2011

 

Susanne Szemerédy. Frédéric Schmalzbauer

Bericht von der Reise in den Senegal vom 13.April bis 27April 2015 - "Bamtaare" *

 

Susanne, Vorstandsmitglied im Verein „Bamtaare Senegal2010“ und der Unterzeichner, zuständig für die Projekte, die Übersetzungen usw. reisten aus 23 Grad (Dakar) ins Dorf Sinthou Mbal (nahe 50 Grad). Ziel: Die Installation einer solargetriebenen Pumpe für einen der beiden Gärten (rund 7000 Euro Gesamtkosten erlauben es z.Zt. nicht, beide Gärten auf diese Weise zu bewässern). Die Entscheidung konnte nur vor Ort und mit dem Gartenverein der Frauen getroffen werden. Ausgerüstet mit den Hersteller-Informationen (Lorentz-Systeme, Dakar, Geschäftsführung Andreas Kretschmann) erklärten wir in einer Versammlung das Projekt. Es kam, entgegen aller Gepflogenheiten, nicht zu einem Losentscheid. Die Frauen entschieden sich dafür, uns damit zu beauftragen, nach Abwägung aller technischen und sozialen Details, den ersten der beiden möglichen Standorte (Gärten) auszuwählen. Wir waren nach Rücksprache der Meinung, zuerst den „zentralen“ Garten nahe der Schule entsprechend auszurüsten.

Erfolge: Mit großer Zufriedenheit konnten wir die Erfolge unserer gemeinsamen Anstrengungen besichtigen. In beiden Gärten waren die Gemüse und Gewürze erntereif, die meisten der Parzellen gut bewirtschaftet und die Bewohnerinnen stolz auf ihre Produktion.

Hilfe: „Von außen“ würde nichts funktionieren oder  als Geschenk wahrgenommen, dem keine Eigeninitiative entspricht. Wir haben von vorne herein den anderen, auf Selbstständigkeit bedachten Weg gewählt. Das Herzstück ist eine Fraueninitiative, die vor allem von Fatou Ndaye Sidy, einer Entwicklungsspezialistin des gemeinnützigen Vereins USE (Union für Solidarität und gegenseitige Hilfe) und dessen lokalen Ableger Bamtaaremen beraten wird. Jede „Hilfe“ unsererseits ist ein Zuschuss zu Aktivitäten der Gartenprojekte, über die wir detalliert und im Voraus informiert werden. Die wöchentliche Präsenz unserer Beraterin (Donnerstag) wird monatlich dokumentiert und auf diesen Seiten veröffentlicht.

Lange Wege: Mit Thierno Gueye am Steuer waren sage und schreibe zwei Fahrten ins Dorf (jede ca. 8 Stunden „einfach“) nötig, um nach Rücksprache mit dem Vertrieb der Solarpumpen (Andreas Kretschmann, Dakar) weitere technische Details zu klären: Brunnen- und Wassertiefe, Pumpleistung, Höhe der Wasserbehälters… das Ganze mit den Handwerkern vor Ort (Djibril Ba und seine Kollegen) und den „Schlüsselfiguren“, der Präsidentin des Frauenvereins (Hurai), dem rührigen Chefanimateuer (Mamadou Sene) und dem Elternbeiratsvorsitzenden (Sidi Ba) vor Ort zu präzisieren. Jetzt kann es an die Arbeit gehen… 

 

6. Die "Endmontage" der Solarpumpe im Juli

Bis zu 50 Grad Hitze und auch noch im Ramadan. Bei meiner  Ankunft im Dorf Sinthiou Mbal die erste Überraschung: Unser „Eiffelturm“, der den Wasserbehälter von 1600 Litern tragen soll, steht fertig geschweißt vor der Werkstätte. Das Rätsel, wie er von dort Richtung Brunnen kommt, lösen rund zwanzig junge Männer. Das gleiche gilt für das Gestell, auf dem die Solarplatten montiert werden sollen und für den jetzt notwendigen Brunnendeckel. Die Technik: In den 17 Meter tiefen Brunnen wird eine Lorentz-Pumpe hinunter gelassen. Sie wird von Solarenergie gespeist und spuckt auf 23 Metern Höhe Wasser in ein Reservoir von 1600 Litern. Die wesentlichen Elemente mussten vom 12 Stunden entfernten Dakar herangeschafft werden. Metallteile kommen aus dem nahen Ourossogui. An alles war gedacht, außer an die Verbindung von Reservoir zu den gemauerten Becken im Gemüsegarten.  Über Nacht findet sich ein Installateur mit zwei jungen Helferinnen. Der Höhepunkt: Das Wasser schießt schließlich in den Behälter, die in den Garten führenden Leitungen füllen die Becken. Alles klar, den Frauen ist die Schwerstarbeit abgenommen, das Wasser aus dem Brunnen zu ziehen. Das Nachsehen hat der zweite Garten – rund 8000 Euro sind eine Stange Geld. Bildreportage: facebook "bamtaare-senegal2010"

 

7. Im Jauar 2015: Besuch in „unserem“ Dorf (F. Schmalzbauer Projekt-Verantwortlicher)

Nach einem Tag und einer erzwungenen Nacht (Autopanne, die Ölwanne leckt, die direkte Straße über Linguère ist eine einzige Baustelle) endlich am Ziel: Mit unserer Korrespondentin, Ndaye Fatou Sidy, besuche ich das Dorf. Erster Eindruck: Der größere Garten ist voller Gemüse; die im Juli letzten Jahres installierte Solarpumpe funktioniert. Allerdings sind die  Becken nicht gefüllt. Der Grund. Die Frauen, gewohnt in Plastikbehälter abzufüllen, lassen dem System „keine Zeit“, sich zu regenerieren. Da es keine definierten Zeiten zum Gießen gibt (z.B. nur bei Anbruch der Dämmerung), wird den ganzen Tag Wasser verbraucht, bis der Brunnen nichts mehr hergibt. Zwei Lösungen: Einmal eine Übereinkunft unter den Frauen bei verstärktem Einsatz von (wassersparenden) Gießkannen; zu Zweiten ein Tröpfchensystem, das erst finanziert und installiert werden muss. Ohne irgendwelche finanzielle Unterstützung begleitet die Technik bisher Djibril Ba, der Konstrukteur des Wasserturms. Ein schönes Bild im zweiten, noch nicht mit einer Pumpe versorgten Garten: Trotz des größeren Aufwandes werden auch dort Gemüse und Salate produziert. Eine Frauenversammlung bestätigt die Zufriedenheit mit dem Projekt und freut sich, wenn eine zweite Pumpe und ein Tröpfchensystem noch mehr Ertrag bringen. Bildreportage: facebook "bamtaare-senegal2010"

 

8. Reisebericht zur Installation der 2. Solarpumpe im März 2019 (F. Schmalzbauer)

 

Wasser ist Leben, Sonne und Menschen spenden Energie

Fritz Schmalzbauer

 

Das bewegendste Ereignis: Nach viel Aufwand und Arbeit sprudelt Wasser aus der Tiefe des Brunnens. Die Pumpe saugt ihre Energie aus den Solarzellen, die blauen Platten aus der Sonne. So 2015 (Film "Radi aus dem Senegal") und an jenem 25. März 2019 im Dorf SINTHIOU MBAL im Norden der Republik Senegal.

Ein Versprechen wird eingelöst: Seit 2015 brauchen die Frauen, die den großen Gemüsegartens neben der Grundschule bewirtschaften, nicht mehr mühselig von Hand das Wasser aus der Brunnentiefe ziehen. Aber das Geld reicht nicht für den zweiten Garten. Wir beschließen gemeinsam mit den Frauen des Dorfes, bei positiver Erfahrung mit der ersten Anlage eine zweite Solaranlage zu errichten, sobald die Mittel reichen.

2018 ist es soweit. Die Spendenmittel würden reichen. Jetzt geht es an die Umsetzung. Eigentlich leichter, weil die Erfahrungen aus 2015 hilfreich sind. Gegen Jahresende 2018 sind zwei Frauen aus Bayern ins Dorf aufgebrochen. Ihr Bericht bestärkt in dem Emtschluss, eine zweite Solaranlage anzugehen.

Das wichtigste ist unser "Netzwerk": Vor Ort der Frauenverein, die Ernährungsberaterin Ndaye Fatou Sidy, der Schmid/Schlosser Djibril, sein Namensvetter mit einem Installateurgeschäft in Ouroussogui (20 km schlechte, jetzt in Erneuerung begriffener Straße), der Vereinsvorsitzende Demba Ba mit Telefonkontakten in der Volkssprache Pulaar zum Dorf, Thierno Gueye, Berater und Chauffeur, mehrsprachig neben Französisch Pulaar und Wolof (Volkssprachen), die Equipe der Firma SEV um Kretschmann in Dakar/Yoff, der neugewählte Schatzmeister unseres Vereins Wolfgang Schulz sowie die stellvertretende Vorsitzende Heidi Schlammerl in München, das Familiennetzwerk von Thierno Gueye mit kostengünstigen Übernachtungen, Khalifa, der in Thiès, dem Ausgangspunkt, die Versorgung organisiert...

20. März 2019: Kostengünstiger Flug von Madrid nach Lissabon und von dort zum neuen Flughafen in der Nähe von Thiès, weitab vom bisherigen Trubel in Dakar. Erste Zweifel in Madrid beim Einstieg ins Flugzeug der TAP: Braucht der nicht ein Visum? Ich versichere, dass Deutsche kein Visum für die Republik Senegal brauchen, man telefoniert und entschuldigt sich dann. Der Airbus überfliegt scheinbar schnurgerade Spanien, Extramadura und Portugal auf Lissabon zu. Es wird dunkel und ein terrestisches Bilderbuch, immer mehr beleuchtet tut sich da unten auf. Am Horizont, kitschiger gehts nicht mehr, der Vollmond über dem Fluss Tejo und seiner Vasco-da-Gama Brücke. Ich filme einen Teil des Landeanflugs(facebook frederic schmalzbauer). Einmal konnten wir den Weiterflug nach Dakar nicht erreichen, wurden nach Lissabon gefahren, Hotel, Stadtbesichtigung, Transfert... diesesmal bleibt reichlich Zeit zum Umstieg in den größeren Flieger nach Dakar. Punkt 1h 30 Lokalzeit landet die Maschine äußerst sanft auf dem neuen Flughafen nördlich von Dakar. Ich zeige meinen Ersatzpass vor. Wo ich wohnen werde? Ich sage in Sinthiou Mbal. Kennt er nicht. Ah so, in der Region Matam. Willkommen. In zehn Minuten bin ich draussen und suche vergeblich nach Thierno. Der irrt irgendwo in der Gegend rum, schließlich ist die Flughafenanfahrt neu. Nach einer Stunde - mir fehlt die Telefonnummer - setze ich einen Text in Facebook ab. Thierno liest ihn nicht, dafür anscheinend der halbe Senegal. 10 Minuten später klopft mir Khalifa auf die Schulter. Es ist gegen 3 Uhr Lokalzeit, wir fahren nach Thiès, ehemaliger Eisenbahnknotenpunkt, zu Khalifas "Mickyland" (er ist dort Geschäftsführer) zum Essen. Die Welt ist wieder in Ordnung.

21. März 2019: Kaum eingeschlafen, weckt der Muezzin zum Frühgebet. Für mich zu früh. Die nächsten Tage wird die Reise geplant, werden (in "Mickyland") e-mails gecheckt und geschrieben, WhatsApp telefoniert (hier gibt es Wlan) und gut gegessen. "Jassa" in allen Formen, eine Reisgrundlage mit Hühner- oder Rindfleisch und Gemüse - in das kleine rote Gewürz beißt man nur einmal. Es gibt ein Problem mit der gewohnten Route entlang dem Senegal-Fluss (Saint Louis - Richard Toll - Guédé Village. Hinter Guédé Village wird die Straße über 150 km zu einer einzigen Baustelle. Das Auto hält das nicht durch.

24. März 2019: Wir entschließen uns für die kürzere, wenn auch langweiligere Strecke über das muslimische Zentrum Touba, Lingère, Rainerou schlechten Angedenkens, hier hatten wir vor 3 Jahren die Ölwanne des VW durchstoßen, (Reparatur die ganze Nacht durch.) Was für ein Wunder: Aus der Piste (6 Jahre zurück) wurde eine hervorragend geteerte Straße, kaum Verkehr, höchstens ein paar Ziegen, Kühe oder Kamele in Sicht. Der Zielort Ouroussogui scheint uns, verglichen mit früheren Reisen, in nicht einmal 7 Stunden entgegen zu fliegen.

In Ouroussogui erwartete und Mme Ndye Fatou Sidy, die Ernährungsberaterin. Sie müsse ins Dorf telefonieren, um unsere Ankunft zu melden. Ich ahne schon eine Empfangszeremonie. Wir holpern Sinthiou Mbal entgegen. Tatsächlich steht das halbe Dorf auf der Straße. Händeschüttel, Grußformel, Danke, Djaram... Aus den Kindern sind junge Damen und Männern geworden, eine neue Generation bestaunt uns. Wie heißt Du gleich wieder? Djari, klar und Deine Schwester... Dann wird es richtig ernst. Die Frauen beginnen zu tanzen (Facebook bamtaare-senegal2010) und zu trommeln. So wird natürlich nichts aus der geplanten Besprechung. Es sei aber alles geklärt "inch Allah", in Gottes Namen, eine auf bayrisch geläufige Formel. Nicht gerade eine klare Ansage. Wir stapfen in der Dämmerung doch noch zu den Gärten. Einige Frauen und Kinder sind beim Gießen. Unvermeidlich der starke, gezuckerte Tee, den wir als Gastgeschenk mitgebracht haben. Für mich mit wenig Zucker. Schmeckt katastrophal, also zurück zum Zucker. Danach ist an Schlaf - wenigstens vorerst - nicht zu denken.

Die erste Nacht auf dem Dach unter freiem Sternenhimmel. Warum hier der große Wagen einen Kopfstand macht ... aber wird sind ja in Richtung "Morgenland" unterwegs.

25.März 2019:In der Früh, kaum hat der Hahn gekräht und der Muezzin zum Gebet gerufen, wird es kalt. Ein Grund, unter die Decke zu kriechen. Bemerkenswert: Zum Frühstück das selbstgebackene Brot im Dorf, kein Vergleich mit dem windigen Weißbrot aus Thiès. Dann wird es ernst: Die Equipe aus Technikern ist eingetroffen. Kurze Aufregung: Niemand hat den Brunnenboden gesäubert, obwohl seit 2 Monaten besprochen. Dort unten liegen Plastikbehälter, die sich vom Strick gelöst haben. Offenbar hat niemand Lust auf ein Bad in 16 Metern Tiefe. Aber der Pumpe könnte es schaden. Palaver. Dann kommen Stricke ins Spiel, nach meinen alpinen Erfahrungen wird jemand nicht ganz sachgemäß angeseilt und verschwindet im Loch. Nach und nach kommen Sachen zutage. Besonders aufregend der Aufstieg. Alle jungen Männer scheinen jetzt an den Stricken zu ziehen. Dann taucht er auf, der Mann aus der Tiefe und kippt über den Brunnenrad auf gesicherten Boden. Es hat geklappt. Inch Allah.

Jeder ist jetzt beschäftigt. Der eine Djibril hilft beim Hochhieven des Fasses (Wasserreservoir), der andere gräbt mit seinen Helfern eine Leitung zu den Brunnen. Die Techniker von SEV (LORENTZ-Pumpen) bringen die Solarplatten an. Stromverbindungen werden hergestellt. Wir jagen die Kinder - alles Buben - immer wieder vom Platz. Besonders der "Eiffelturm" hat es ihnen als Spielgerät angetan. Alles wie schon gehabt, damals, 2015. Nur bin ich "cooler". Ausserdem scheint praktisch nichts zu fehlen. Die Vorbereitung hat geklappt. Zum Arbeiten ist es kühler als beim ersten Mal, rund 30 Grad. Damals waren es 50 und ausserdem noch Ramadan. Wie in der Schöpfungs- oder Erdgeschichte entwickelt sich aus Chaos überschaubare Ordnung.

14 Uhr: Sonnen- und Menschenenergie haben es zuwege gebracht: Aus der Leitung fließt Wasser. Die Pumpe "arbeitet". Die Technker und wir essen unter einem schattenspendenden Baum, dann brechen sie rasch auf. Der Grund: Einer wird am nächsten Tag in Dakar (10 Autostunden) heiraten. Herzlichen Glückwunsch. Doch, seine Braut sei sehr hübsch und gescheit, sie habe Abitur. Das mache das Zusammenleben nicht immer leichter, vermutet er. Aber er ist verliebt und sie auch.

Abends: Gemütliche Schlussbesprechung in engerem Kreis. Wie schön, fast ohne Mücken.

26. März: Am frühen Morgen will ich die Anlage anschauen und mithelfen, einen Zaun darum zu befestigen. Die Frauen legen zwischenzeitlich neu Beete an und gießen. Der Weg ztum Wasser ist jetzt kurz und das mühselige Hochziehen entfält. Eine Frau zeigt mir die Schwielen an ihren Händen und lächelt. Djaram - Danke. Da macht es Spass, selbst Hand anzulegen und Kinder mit Wasser zu bespritzten. Bald wird der Garten um vieles schöner blühen und danach zur Ernährung einen wichtigen Beitrag leisten.

Wir - Thierno und ich - bleiben noch einige Tage im Dorf, essen aus den Geminschaftsschüsseln, wenn auch mit Löffeln, helfen in den Gärten, sprechen mit de Leuten.

Was ist am Samstag plötzlich los? Ein Herr und eine Dame tauchen mit etwas ledierten Flipchartpaier rücken an, es bilden sich eine Jugend- und eine Frauengruppe. Ein paar Jungen zeigen mir ihre Unterlagen. Für die Teilnahme an der Schulung bekommen sie 15,24 € von "USAIDE", der staatlichen US-amerikanischen Entwicklungshilfe. Sie sollen ihre Anwesenheit, ihre Telefonnummer und e-mail eintragen. "Machen wir aber nicht..." Der von USAIDE gesponserte Ausbilder ist der Arzt aus dem nahen Nabadji Civol, die Ausbilderin seine Hebamme. Die Frauen winken mich in ihren Kreis, was der Hebamme offensichtlich nicht gefällt. Sie schreibt gerade alle Punkte auf, die auf ein schlechtes Verhalten der Männer hinweisen. Nur - hier kann sogut wie niemand lesen und schreiben, die Grundschule liegt schon Jahre zurück und Französisch wird überhaupt nicht praktiziert. So bleibt der Satz "Die Frau ist nicht die sexuelle Sklavin ihres Mannes" irgendwie in der Luft hängen. Doch, sagt Djenaba, sie habe das schon kapiert. Aber was soll man machen. Da hat USAIDE wenig anzubieten, wie mir eine weitere Frau erklärt. Sie lacht und sagt "Der kommt sowieso nur einmal im Jahr" und kümmert sich um nichts, zum Beispiel wenn man krank ist. Auch das steht auf dem Flipchart. Darum haben die Frauen in Sinthiou Mbal übrigens eine Selbsthilfe-Kasse und freuen sich, wenn sie durch die Gartenprodukte die Familie besser ernähren und ein paar zusätzliche Gartenprodukte verkaufen können. Ein neuer Marktplatz sei schon im Bau. Schade, denke ich, wieder so ein Betontempel, dabei ist der ausladende Baum, unter dem bis jetzt angeboten und gehandelt wird, einladend, schattig, schön... Die Jungen dürfen übrigens für 15 €, 17 Dollar, 10000 FCFA über die Definition von Gewalt nachdenken. "Wenn einer oder eine Gruppe einem anderen etwas antut..." Mir fällt die Mauer von Trump oder Waffenlieferung in Kriegsgebiete ein, der Junge sagt das öffentlich.

Langsam kehren bei den Rundgängen durchs Dorf wieder die Erinnerungen an die ersten Jahre ein. Stimmt, stacheliger Zaun aus Ästen steht für wenig Hilfe von Emigranten, eine hohe Mauer für üppigen Zuschuss aus der Ferne. Mauerwerk steht für Reichtum, traditioneller Lehmbau für Armut. Wo nachts kein Feuer brennt, so hat mir Aliou Ba, der Präsident der USE erklärt, gibt es auch kaum was zu essen. Kinder der Bessergestellten schickt man in die Schule (es gibt Schulpflicht), ärmere Hirtenfamilien lassen die Kinder zu Hause oder schicken sie in den Koran-Unterricht. Sie haben nicht das wenige Geld für korrekte Kleidung/Schuhe und Schulmaterial oder sind einfach zu weit draussen in der Savanne. Auch kulturelle Vorbehalte spielen eine Rolle.

Was ist mit der Mittelschule los? fragt mich ein Herr. Stimmt, das hatten wir schon vor langem besprochen. Nur kommt bis jetzt keine Eigeninitiative aus dem Dorf. Wo sie ist? greift er nach. Ich schaue nach oben und meine, sie falle nicht vom Himmel. Er scheint meinen Einwand zu akzeptieren. Ein paar Jungen sehen das etwas weniger kompliziert: "Was sollen wir machen?" Ich meine, man müsse die Eltern der Wohlhabenden anstoßen, damit eine Initiative aus dem Dorf kommt. Einer hat wohl im Fernsehen die französischen Gelbswesten gesehen. So müsse es doch auch gehen. "Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es" verdrehe ich Erich Kästner auf Französisch. Falsch gedacht. "Wir tun ja was, wir spielen Fußball. Dann kannst Du uns einen Ball schenken..."

Nächtelang diskutiere ich mit Thierno über die Gefahr der Radikalisierung. So habe in dem nahen Mali trotz Militäreinsatzes ein jüngerer Hassprediger aus dem gleichen Volk (Peulh) ungestört Leute um sich gesammelt und radikalisiert. "Im Senegal geht das nicht. Hier ist man friedlich und die Dorfgemeinschaft würde jeden ausstoßen, der Hass predigt oder Waffen trägt..." Zwei Tage später wird 80 km weiter ein Dorf von Bewaffneten überfallen und ausgeraubt, der Händler fast zu Tode geprügelt. Die Täter konnten spurlos verschwinden, die Presse vermutet einen Zusammenhang mit der terroristischen Szene. Thierno "Das sind Verbrecher, die kommen nicht von hier, sondern nützen die nahe Grenze nach Mali. Wird aber scharf bewacht. Das ist eine Ausnahme... Ich denke mir Inch Allah, in Gottes Ohr.

Beim Rundgang fällt der prachtvolle Umbau der beiden Moscheen auf. Ich frage jemand nach der Geldquelle. "Aus Saudi-Arabien". Thierno vermutet, ein Auswanderer sei in Saudi-Arabien und habe dort für den Bau der Moscheen geworben.

Die wichtigste Erneuerung sind ausgedehnte Reisfelder am Ufer des Senegal-Armes. Dort teilen sich 7 Dörfer die großen Parzellen, sähen an und stecken dann die Pflanzen. Bei der Ernte seien alle beteiligt, die möchten, nicht nur die Familien, denen im Losverfahren ein Feld zugesprochen wurde. Tatsächlich kommen jetzt jeden Morgen aus Siri Woro (östlich) jede Menge Pferdegespanne voller Feldarbeiter/innen durchs Dorf. Auch aus Sinthiou Mbal beteiligt man sich an der Regierungsinitiative. Präsident Macky Sall aus dem Volk der Peulh wurde nicht zufällig im ersten Wahlgang wieder gewählt. Auf Nachfrage verichert man mir aber, die Garteninitiativen seien deshalb nicht weniger wichtig. Man könne anpflanzen, was jede Familie braucht: Kohl, Salate, Gewürze, Auberginen, Zwiebel... Mme Ndye Fatou Sidy stimmt dem zu. Reis sei zwar wichtig, aber die Vielfalt käme aus den Gärten.

Ende März 2019: Wir müssen zurück. Doch ohne große Dorfversammlung geht das nicht. Man spricht "Bamtaare" den Dank aus, würdigt Mme Ndye Fatou Sidy, die wöchentlich das Dorf berät, gibt mir das Wort. Man übersetzt mich auf Pulaar, aber die Leute scheinen auch so zu verstehen. Noch einmal hakt jemand wegen der Notwendigkeit einer Mittelschule nach. Ich erkläre unseren Standpunkt. Vorerst fördern wir die Grundschule, gibt es dagegen eine Initiative aus dem Dorf, könne man neu nachdenken. "Übrigens, nächstes Jahr feiern wir das 10 jährige Bestehen". Bamtaare - Solidarität und Djaram, danke für die Zusammenarbeit.

Nachtrag: Die neue Solaranlage, betreut von Djibril, liefert Energie und Wasser.

 

 

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