Geschützt im Dorf
(Beitragsbild: Frauen im Nachbardorf Siri Woro)
Demba, der Anstifter der ersten Reise, war nicht grundlos im Wachtdienst der bayrischen Justiz. Wir sollten uns auf die kleine Dorf-Umgebung beschränken. Draussen, da lauern uns unbekannte Gefahren auf. Die Ärztin, mit der ich den Schlafraum teilte, war nächtens von ähnlicher Unruhe geplagt. Das hatte seine Gründe. Nach dem Abendessen servierte mir Djienaba, eine Frau des Hauses, gründlich gezuckerten Tee. Die Sprachhürde und die Höflichkeit führte dazu, sie nicht unterbrechen zu wollen. Immer und immer wieder wurden Tee und Wasser erhitzt, kunstvoll von der Kanne ins Glas und von dort in ein anderes Glas gekippt, gefühlt Stunden lang. Wahrscheinlich hätte sie sofort aufgehört, wäre mir das Zauberwort geläufig gewesen. Irgendwann war die Gestik erschöpft und ich auf Hochtouren. Schlafenszeit. Über uns der große Wagen und sein kleiner Reiter so klar wie noch nie. Aber auf dem Kopf. Unsere Perspektive: Breitengrad 15° 05′ N. Längengrad 13° 38′ O
Demba, l’instigateur de ce premier voyage, n’était pas sans raison en service de surveillance pour la justice bavaroise. Nous devions nous limiter aux environs immédiats. Dehors, des dangers inconnus nous guettaient. La médecin avec qui je partageais la chambre était, la nuit, en proie à une agitation similaire. Elle avait ses raisons. Après le dîner, Djienaba, une femme de la maison, m’a servi un thé très sucré. La barrière de la langue et la politesse m’ont poussé à ne pas l’interrompre. À maintes reprises, elle réchauffait le thé et l’eau, les versant avec art de la théière dans un verre, puis de là dans un autre, pendant ce qui m’a semblé être des heures. Elle aurait probablement arrêté immédiatement si j’avais connu le mot magique. Finalement, ses gestes s’épuisèrent et je fus à bout de forces. L’heure du coucher. Au-dessus de nous, la Grande Ourse et son petit cavalier, plus clairs que jamais, mais sur la tête – notre perspective: Latitude, 15° 05′ N. Longitude, 13° 38′ O.
Heisse Nächte – Nuits chaudes
Mit Tee stimuliert wird man sensibel. Zum Beispiel für die einzige Mücke, die unermüdlich das Netz umkreist. Irgendwann holt dich eine Art Ohnmacht ein, bis dich der Hahn, dem deine Bedürfnisse fremd sind, aus dem Tiefschlaf reisst. Morgendämmerung? Weit gefehlt. Dieser Hahn, ich werde auf ihn zurückkommen, hatte seine eigene Zeitzone. Nächster Traum. Und dann der Ruf des Muezzin. Ich nehme an, man hat ihm in Erwartung der Gäste eine neue Lautsprecheranlage eingerichtet. Aufgeschreckt wende ich mich im Dunkel an meine Nachbarin. Du also auch nicht… Wir stehen auf und schleichen aus dem Haus. Niemand bemerkt uns. Eine rückwärtige Pforte zur Straße hin quietscht zwar etwas, aber wir sind in Freiheit. Ein paar Leute sind schon unterwegs, vor allem auf Esel- und Pferdekarren. Wir enden uns nach Westen. Der Weg ist das Ziel. Nach einer halben Stunde, es wird im Rücken schon heller, taucht eine Siedlung auf: Siri Woro.
Le thé rend sensible. Par exemple, au seul moustique qui tourne inlassablement autour de la moustiquaire. À un moment donné, une sorte d’évanouissement te gagne, jusqu’à ce que le coq, indifférent à tes besoins, te tire de ton sommeil profond. L’aube ? Loin de là. Ce coq, j’y reviendrai, avait son propre fuseau horaire. Rêve suivant. Puis l’appel du muezzin. Je suppose qu’on lui a installé un nouveau système de haut-parleurs en prévision des hôtes. Surpris, je me tourne vers ma voisine dans l’obscurité. Toi non plus, donc… Nous nous levons et nous glissons hors de la maison. Personne ne nous remarque. Une porte arrière donnant sur la rue grince un peu, mais nous sommes libres. Quelques personnes sont déjà en route, surtout sur des charrettes tirées par des ânes et des chevaux. Nous nous dirigeons vers l’ouest. Le chemin est le but. Au bout d’une demi-heure, alors que le jour se lève déjà derrière nous, un hameau apparaît : Siri Woro.
In Siri Woro:
Ein älterer Herr kommt auf uns zu. Er begrüßt und mit einem perfekten « Bonjour ». Stimmt, ein schöner Tag, eigensinnig errungen. Er bedeutet uns, ihm zu folgen. Vor einer Hütte werden sofort zwei Plastikstühle gestellt und auf einem Holzblock Kaffee serviert. Schön süß. Woher wir kommen, wohin wir gehen, ein eher rudimentärer Gesprächsfaden. Der Mann bringt Papier und einen « Bic », die geläufige Markenbezeichnung für Kugelschreiber. Ich möge doch bitte eine Telefonnummer, seinen Namen und sein Amt notieren: « Chef de Village », Dorfvorsteher. Hier oben. Schön, denke ich bei mir, aber ein Gespräch über Telefon wird noch eintöniger werden. Dabei geht es um etwas ganz Anderes. Ich möge doch Nummer, Name und Titel noch einmal und noch einmal aufschreiben. Zehnmal. Dann reisst er den Zettel in kleine Streifen und bedankt sich: « Merci, Diaram ». So kann er seine Visitenkarte weiter verteilen. Er habe, so erklärt mir die Ärztin, offensichtlich Gicht in den Fingern. Dann brechen wir auf. Zu Dritt. Der Herr möchte uns etwas zeigen. Am Dorfende hören wir Frauenstimmen. Dann sehen wir den Brunnen und dahinter einen gepflegten Gemüsegarten. Ich möchte auch einmal ziehen. Eine junge Frau hilft mit. 14 Meter tiefer ist Wasser. Der umfunktionierte Behälter schlägt auf. Das muß man schon können. Und erst der Rhythmus beim Hochziehen. Alle lachen und freuen sich vermutlich über meine Ungeschicklichkeit.
Im Garten sind Rüben, Salate, alle möglichen Kräuter, Zwiebel… Rund zwanzig Familien teilen sich die gepflegte Fläche. Sie haben das gemeinsam mit einer französischen ONG angelegt: Züchter ohne Grenzen. Von ihnen stammen auch Ziegen, die im Dorf verteilt sind. Die großen Herden sind Männersache. Hier geht es um den Haushalt, um den Speisezettel. Wir werden unmissverständlich zu einem Fest eingeladen.

Les femmes au puis de SiriWoro, un projet d’une ONG française. Frauen in Siri Woro, ein Projekt einer französischen NGO.
Un monsieur d’un certain âge s’approche de nous. Il nous salue d’un « Bonjour » parfait. C’est vrai, une belle journée, conquise de haute lutte. Il nous fait signe de le suivre. Devant une cabane, on installe aussitôt deux chaises en plastique et on nous sert du café sur un bloc de bois. Bien sucré. D’où nous venons, où nous allons, une conversation plutôt rudimentaire. L’homme apporte du papier et un « Bic », le nom de marque courant pour les stylos à bille. Il me demande de bien vouloir noter un numéro de téléphone, son nom et sa fonction : « Chef de Village », chef du village. Ici, en haut. Bien, me dis-je, mais une conversation au téléphone sera encore plus monotone. Or, il s’agit de tout autre chose. Il me demande de noter encore et encore le numéro, le nom et le titre. Dix fois. Puis il déchire le bout de papier en petits morceaux et me remercie : « Merci, Diaram ». Il pourra ainsi continuer à distribuer sa carte de visite. Il souffre manifestement de goutte aux doigts, m’explique la médecin. Puis nous partons. À trois. Monsieur souhaite nous montrer quelque chose. À l’entrée du village, nous entendons des voix de femmes. Puis nous apercevons la fontaine et, derrière, un potager bien entretenu. Je voudrais aussi tirer une fois. Une jeune femme m’aide. L’eau se trouve 14 mètres plus bas. Le récipient improvisé claque. Il faut savoir s’y prendre. Et puis ce rythme quand on remonte la corde. Tout le monde rit et s’amuse sans doute de ma maladresse.
2010: Le jardin de Siri Woro – der Gemüsegarten von Siri Wor

Bamtaare – Solidarität
Zuhause erwarten uns besorgte Minen. Man könne doch nicht nachts einfach so ausbrechen. Was da alles passieren kann. Wir versprechen Besserung und übermitteln Grüße aus Siri Woro. « Mit denen liegen wir im Streit ». Früher habe das Dorf dazu gehört, jetzt seien das sozusagen Separatisten. Und die Gärten, warum gibt es keine in Sinthiou Mbal? Die Frauen horchen auf, Amy sprachlich dazwischen. Man habe schließlich eine Umzäunung von der USE aus Dakar gestiftet bekommen. Nur die Männer, die wollen einfach nicht heran. Demba hat wichtigeres zu tun. Er muß nach Ourossogui fahren. Die Frage bleibt vorerst offen. Ein Jahr später steht der Zaun. Der erste Gemüsegarten ist neben einem der beiden Dorfbrunnen angelegt. « Der wird größer und schöner wie in Siri Woro » übersetzt mir Amy. Wir haben unser Projekt. Heute sind es zwei Gemüsegärten, das Wasser wird durch Solarpumpen gehoben und wir gründen zuhause einen Solidaritätsverein: « Bamtaare-Senegal2010 e.V. » kurz: Bamtaare.de. Bamtarre, so wird uns der Präsident der USE Thierno Ba erklären, könne man mit Solidarität übersetzen. Es bezeichnet auch das gemeinsame, gleichgewichtige Heben eines Daches auf einer Rundhütte. Dazu gehören viele Arme im Gleichklang. Gemeinsam. Angesichts der Migrationsgelder ist das zwischenzeitlich eher Folklore. Eine Mauer muß her, ein festes Haus, ein « manifestes Haus ». Hier lebt die Familie von jemandem, der es zu etwas gebracht hat. Zwei Kühlschränke laufen rund um die Uhr, es brennt Licht im Innenhof und das Portal verrät zweierlei: Billige Arbeit der Zurückgebliebenen unregelmäßige Überweisungen der Migranten der Familie.
Thierno Ba, der USE-Präsident, hat es mir einmal so erklärt: Geh’ einfach durchs Dorf, schau dir die Zäune und die Behausungen an und achte vor allem darauf, wo in den Abendstunden ein Feuer brennt. Dort hat man genügend zu Essen. Allerdings kann man sich auch täuschen. Vor allem die Behausung der traditionellen Hirten (Kuh- und Ziegenherden) machen einen ärmlichen Eindruck. Aber größere Herden sind auch größerer Reichtum. Mauer oder unbehauenes Geflecht als Zaun: Auch kulturelle Gründe spielen eine Rolle. Einheimisches Baumaterial (banco) aus Lehm, jetzt meist mit Zement verstärkt, darüber eine Strohdach. Das Raumklima kann angenehmer sein. Und die verzierten Tonkrüge zeugen aus einer Zeit lang vor dem Kühlschrank. Man ist eben auch stolz auf die Hirtentradition des Volkes der Peulh.
Bamtaare – Solidarité
À la maison, on nous accueille avec des regards inquiets. On ne peut tout de même pas partir comme ça en pleine nuit. Tout ce qui peut arriver. Nous promettons de nous améliorer et transmettons nos salutations de Siri Woro. « Nous sommes en conflit avec eux ». Autrefois, le village en faisait partie, mais aujourd’hui, ce sont pour ainsi dire des séparatistes. Et les potagers, pourquoi n’y en a-t-il pas à Sinthiou Mbal ? Les femmes tendent l’oreille, Amy intervient. On a finalement reçu une clôture offerte par l’USE de Dakar. Mais les hommes, eux, ne veulent tout simplement pas s’y mettre. Demba a mieux à faire. Il doit se rendre à Ourossogui. La question reste en suspens pour l’instant. Un an plus tard, la clôture est en place. Le premier potager est aménagé à côté de l’un des deux puits du village. « Il sera plus grand et plus beau qu’à Siri Woro », me traduit Amy. Nous avons notre projet. Aujourd’hui, il y a deux potagers, l’eau est puisée par des pompes solaires et nous créons chez nous une association de solidarité : « Bamtaare-Senegal2010 e.V. », en abrégé : Bamtaare.de. Bamtaare, nous expliquera le président de l’USE, Thierno Ba, peut se traduire par solidarité. Ce terme désigne également le fait de soulever ensemble, à forces égales, le toit d’une hutte ronde. Cela nécessite de nombreux bras travaillant à l’unisson. Ensemble. Compte tenu des fonds destinés à la migration, cela relève désormais plutôt du folklore. Il faut un mur, une maison solide, une « maison manifeste ». Ici vit la famille de quelqu’un qui a réussi, la cour intérieure est éclairée et le portail trahit deux choses : le travail bon marché des personnes en situation de handicap et les virements irréguliers des migrants de la famille.
Thierno Ba, le président de l’USE m’a un jour expliqué les choses ainsi : Il suffit de se promener dans le village, d’observer les clôtures et les habitations, et surtout de repérer où un feu brûle en fin de journée. C’est là qu’on a de quoi manger. Mais on peut aussi se tromper. Les habitations des bergers traditionnels (élevages de vaches et de chèvres) donnent notamment une impression de pauvreté. Or, des troupeaux plus importants sont aussi synonymes d’une plus grande richesse. Mur ou treillis brut en guise de clôture : des raisons culturelles jouent également un rôle. Un matériau de construction local (banco) à base d’argile, aujourd’hui généralement renforcé de ciment, surmonté d’un toit de chaume. Le climat intérieur peut être plus agréable. Et les cruches en argile décorées témoignent d’une époque bien antérieure au réfrigérateur. On est tout simplement fier de la tradition pastorale du peuple peul.

